Provinz Pommern 1939
Historische Landschaft an der Ostsee, von den im 6./7. Jahrhundert eingewanderten slawischen Stämmen Pomorje ("Küstenland") benannt. Im 12./13. Jahrhundert entstanden das slawische Herzogtum der Samboriden (später "Pommerellen") mit Sitz in Danzig, westlich davon das Fürstentum der slawischen Greifen mit der Stammburg Stettin.
Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erfolgte eine starke deutsche Besiedlung der Region. 1181 wurde Herzog Bogislaw I. als Reichsfürst anerkannt und mit Pommern belehnt. Nach mehreren Teilungen (etwa 1295 in Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast) wurde das Gebiet 1478 unter Bogislaw X. wieder vereinigt. Durch den Westfälischen Frieden (1648) fiel der östlich der Oder gelegene Teil ("Hinterpommern") an Brandenburg, das spätere "Vorpommern" an Schweden. Im Ersten Nordischen Krieg (1658) gewann Brandenburg-Preußen Lauenburg und Bütow, im Zweiten (1720) Vorpommern bis zur Peene, 1815 den Rest ("Neu-Vorpommern"); es entstand die preußische Provinz Pommern.
1945 wurde Vorpommern der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (Land Mecklenburg-Vorpommern; 1952 aufgeteilt in die DDR-Bezirke Rostock und Neubrandenburg, 1990 wiederhergestellt); Hinterpommern, Stettin und Swinemünde fielen an Polen.
Wichtigste Städte
Greifswald, Kolberg (polnisch Kołobrzeg), Köslin (polnisch Koszalin), Schneidemühl (polnisch Piła), Stargard (polnisch Stargard Szczeciński), Stettin (polnisch Sczeczin), Stolp (polnisch Słupsk), Stralsund, Swinemünde (polnisch Świnoujście)
Heimatland Westpreussen - Kaschubenland vor 1918
Gebiet an der unteren Weichsel, das im Mittelalter zum Deutschen Orden gehört hat. Dieser musste 1466 das Culmer Land und Pommerellen, Danzig und andere Städte sowie das Bistum Ermland an Polen abtreten. Nach ihrer Annexion durch das Königreich Preußen in den Teilungen Polens von 1772 und 1793 wurden diese Gebiete (ohne das Ermland) Westpreußen genannt.
1815 wurde die Provinz Westpreußen (mit den Regierungsbezirken Danzig und Marienwerder) gebildet, die 1824 mit Ostpreußen zur Provinz Preußen verschmolz, 1878 jedoch wieder selbstständig wurde. Durch den Versailler Vertrag (1919) kam der größte Teil von Westpreußen an Polen (sog. Polnischer Korridor), Danzig wurde Freie Stadt. Was übrig blieb, bildete nach der Abstimmung vom 11. Juli 1920 den Regierungsbezirk Westpreußen in Ostpreußen sowie den Nordteil der Grenzmark Posen-Westpreußen (1922). 1939 wurde der Reichsgau Danzig-Westpreußen gebildet.
1945 wurde ganz Westpreußen polnisch..
Wichtigste Städte
Danzig (polnisch Gdańsk), Graudenz (poln. Grudziądz), Thorn (poln. Toruń)

Provinz Ostpreussen
Historische Landschaft an der Ostseeküste, die im Frühmittelalter von den baltischen Prußen bewohnt wurde. Um ihre Christianisierung und Unterwerfung zu betreiben, rief Herzog Konrad II. von Masowien den Deutschen Orden und schenkte ihm das Culmer Land.
Das spätere Ostpreußen ging aus dem Ostteil des Deutschordenslandes hervor, der 1525 in das Herzogtum Preußen überführt, 1618 mit Brandenburg vereinigt wurde und 1701 mit diesen das Königreich Preußen. In das durch Kriege und Seuchen entvölkerte Land kamen im 18. Jahrhundert u. a. Siedler aus der Schweiz, der Pfalz, Nassau und Salzburg. 1815 wurde die Provinz Ostpreußen (einschließlich des 1772 hinzugekommenen Ermlands) gebildet, die 1824-1878 mit Westpreußen zur Provinz Preußen vereinigt war.
Nach dem Ersten Weltkrieg war Ostpreußen wegen der Gebietsabtretungen an Polen vom übrigen deutschen Reichsgebiet abgetrennt. Litauen besetzte das Memelgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das nördliche Ostpreußen an die Sowjetunion (heute Oblast Kaliningrad der Russischen Föderation bzw. Teil Litauens), der südliche Teil an Polen. Die deutsche Bevölkerung flüchtete oder wurde nach 1945 vertrieben. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag und im Deutsch-Polnischen Grenzvertrag von 1990 wurden die 1945 entstandenen Grenzen für endgültig erklärt.
Wichtigste Städte
Allenstein (polnisch Olsztyn), Elbing (poln. Elbląg), Frauenburg (poln. Frombork), Gumbinnen (russisch Gussew), Insterburg (russ. Tschernjachowsk), Königsberg (russ. Kaliningrad, poln. Królewiec), Marienburg (poln. Malbork), Marienwerder (poln. Kwidzyn), Memel (litauisch Klaipėda), Tilsit (russ. Sowjetsk)
Provinz Posen
Gebiet an der Warthe, rund um die Stadt Posen, im 10. Jahrhundert Hauptsitz der polnischen Herzöge, seit 968 Bischofssitz und seit 1138 Sitz der Herzöge von Großpolen. 1793 kam Posen an Preußen, 1815 wurde es Hauptstadt des Großherzogtums Posen, das aus zwischen 1793 und 1807 an Preußen gefallenen polnischen Gebieten gebildet wurde.
1848 Zentrum der polnischen Nationalbewegung in Preußen. 1919 kam die Stadt an Polen, Randgebiete zur 1922 gebildeten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen. Nach der Besetzung durch das Deutsche Reich (1939) wurde Posen Hauptort des Reichsgaues Wartheland; seit 1945 gehört Posen wieder zu Polen.
Wichtigste Städte
Bromberg (polnisch Bydgoszcz), Gnesen (poln. Gniezno), Lissa (poln. Leszno), Posen (poln. Poznań)
Schlesien
Historische Landschaft an der Oder, im 10. Jahrhundert unter böhmische Herrschaft, ab 990 im Besitz der polnischen Piasten. Unter Mitwirkung Ottos III. wurde 1000 das Landesbistum Breslau gegründet und Gnesen unterstellt.
1138 entstand durch Erbteilung das piastische Teilfürstentum Schlesien, 1163/1173 bildeten sich die Herzogtümer Nieder- und Oberschlesien aus. Seit Heinrich I. (1201-1238) förderten die schlesischen Herzöge die Besiedlung und Erschließung des Landes durch deutsche Siedler (Entstehung zahlreicher Dörfer und Städte deutschen Rechts, Klostergründungen). Weitere Teilungen nach dem Tod Herzog Heinrichs II. in der Schlacht bei Wahlstatt gegen die Mongolen (1241) schwächten das Land.
1327-1329 unterstellten sich alle ober- und die meisten niederschlesischen Herzöge der Lehnshoheit Böhmens und kamen dadurch mittelbar an das Heilige Römische Reich; 1348 wurde Schlesien von Karl IV. in die Krone Böhmens inkorporiert. Im Vertrag von Trentschin (1335) verzichtete der polnische König Kasimir III. (der Große) auf die Ansprüche auf Schlesien. 1523 erwarb Markgraf Georg von Ansbach-Bayreuth, ein Förderer der sich rasch ausbreitenden Reformation, das Herzogtum Jägerndorf sowie weiteren schlesischen Besitz.
1526 fiel Schlesien mit Böhmen an die österreichischen Habsburger. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Land verwüstet. In der Zeit der Gegenreformation kam es zu einer Hochblüte der barocken Dichtung und Baukunst. Infolge des Ersten Schlesischen Krieges fielen 1742 Niederschlesien, ein großer Teil Oberschlesiens und die böhmische Grafschaft Glatz an Preußen;
1815 wurde die 1807 geschaffene preußische Provinz Schlesien um große Teile der vorher sächsischen Oberlausitz erweitert. Die habsburgisch gebliebenen südlichen Teile von Oberschlesien bildeten bis 1918 das Kronland Österreichisch-Schlesien, das nach dem Ersten Weltkrieg größtenteils an die Tschechoslowakei kam (Mährisch-Schlesien).
Das Teschener Gebiet wurde 1920 zwischen der Tschechoslowakei und Polen geteilt; der polnische Teil bildete mit den polnisch gewordenen Gebieten von Oberschlesien die Woiwodschaft Śląsk.
Nach einer Volksabstimmung wurde Oberschlesien 1921 geteilt, die Industriegebiete fielen größtenteils an Polen.
Nach der Besetzung durch sowjetische Truppen kam fast ganz Schlesien aufgrund des Potsdamer Abkommens (1945) an Polen; ein kleines Gebiet westlich der Lausitzer Neiße / Nysa Łużycka gehört heute zu Sachsen. Nach Flucht und Vertreibung von rund drei Millionen Deutschen wurden in Schlesien insbesondere Bewohner aus den von der Sowjetunion besetzten ostpolnischen Gebieten angesiedelt. Viele in Polen zurückgebliebene Deutsche siedelten insbesondere nach 1970 (Warschauer Vertrag) in die Bundesrepublik aus. 1990 wurde durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag die deutsch-polnische Grenze endgültig anerkannt.
Wichtigste Städte
Beuthen (polnisch Bytom), Bielitz (poln. Bielsko-Biała), Breslau (poln. Wrocław), Gleiwitz (poln. Gliwice), Glogau (poln. Głogów), Grünberg (poln. Zielona Góra), Hindenburg (früher Zabrze, poln. Zabrze), Hirschberg (poln. Jelenia Góra), Kattowitz (poln. Katowice), Liegnitz (poln. Legnica), Neisse (poln. Nysa), Oppeln (poln. Opole), Schweidnitz (poln. Świdnica), Teschen (poln. Cieszyn, tschechisch Český Těšín), Troppau (tsch. Opava), Waldenburg (poln. Wałbrzych)



